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Rise of the Argonauts - Interview zum Spiel
In dem folgendem Interview wurde die Mythologie-Expertin Christina Serafimidis zum Spiel Rise of the Argonauts ausgiebig befragt.

Wer sich für das Spiel interessiert, wird also sicher noch einige weitere nette Informationen wie z.B. die durch Literatur vermittelten Sagen erfahren.

1.) Frau Serafimidis, bitte stellen Sie sich zu Beginn einmal kurz vor!

Mein Name ist Christina Serafimidis, ich habe Klassische Philologie studiert, bin an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main als Angestellte und Lehrbeauftragte beschäftigt und arbeite an einer Dissertation über die „Argonautika“ des Apollonios von Rhodos.

2.) Im Spiel „Rise of the Argonauts“ wird die Argonauten-Sage etwas anders erzählt als in der Literatur. Bitte geben Sie uns eine kurze Zusammenfassung: Wovon handelt die „echte“ Argonauten-Sage?

Die Argonautensage ist eine der ältesten Sagen, die in der griechischen Literatur nachzuweisen sind. Hinweise auf Jason und die Argo sind bereits bei Homer zu finden (in „Ilias“ und „Odyssee“). Die Argonautensage handelt von der Fahrt Jasons mit einer Mannschaft von ungefähr 50 Helden, den Argonauten, mit dem Schiff Argo von Iolkos in Griechenland nach Kolchis, der Region zwischen Schwarzmeerküste und Kaukasus.

Anlass des Unternehmens war ein Auftrag, den Jason von seinem Onkel Pelias, dem König von Kolchis, erhielt: Er sollte das Goldene Vlies aus dem Land des Aietes (Kolchis) holen. Jason versammelte die größten Heroen seiner Zeit und brach mit dem Schiff Argo, das mit Hilfe der Göttin Athene gebaut worden war und die Fähigkeit des Sprechens besaß, zu der Seereise auf. Auf dem Weg nach Kolchis mussten die Helden zahlreiche Abenteuer bestehen: Sie machten Station auf der nur mit Frauen bevölkerten Insel Lemnos, kämpften irrtümlicherweise gegen den befreundeten König Kyzikos und das Volk der Dolionen, bezwangen Amykos und die Bebryker, befreiten Phineus von den Harpyien, durchfuhren die Symplegaden und setzten sich gegen die stympalischen Vögel auf der Aresinsel zur Wehr.

Aietes, der die Argonauten nach ihrer Ankunft in Kolchis wenig freundlich empfing, stellte Jason als Bedingung für die Herausgabe des Goldenen Vlieses die Aufgabe, mit Feuer speienden Stieren ein Feld zu pflügen, dort Drachenzähne zu säen und gegen die daraus emporwachsenden Erdgeborenen zu kämpfen. Jason meisterte diese Aufgabe mit der Hilfe Medeas, der Tochter des Königs. Trotzdem weigerte sich Aietes, das Vlies herauszugeben. Jason raubte daher, wieder mit Hilfe Medeas, das Vlies aus der Bewachung durch einen Drachen. Zusammen mit den Argonauten floh auch Medea von Kolchis und vor ihren Eltern. Auf der Rückfahrt erlebten die Argonauten weitere Abenteuer: Sie trugen die Argo durch die Wüste Libyens, begegneten vor Kreta dem bronzenen Wächter Talos, den Medea unschädlich machen konnte, und fuhren an den Sirenen vorüber, vor deren verhängnisvollen Stimmen sie durch den Gesang des Orpheus gerettet wurden.

3.) Was genau ist das Goldene Vlies? Hat es tatsächlich existiert?

Das Goldene Vlies ist nach der griechischen Mythologie das goldene Fell eines fliegenden Widders. Auf dem Rücken dieses Widders flohen Phrixos und Helle, die Kinder des Athamas und seiner ersten Frau Nephele, als ihre Stiefmutter Ino ihnen nach dem Leben trachtete. Während Helle an dem nach ihr benannten Hellespont ins Meer fiel und ertrank, erreichte Phrixos mit dem Widder Kolchis, das Königreich des Aietes. Dort nahm er Chalkiope, die Tochter des Aietes, zur Frau und opferte Zeus den Widder. Das goldene Fell des Widders wurde daraufhin im Ares-Hain aufbewahrt und dort von einem Drachen bewacht.

Antike Gelehrte haben die Sage vom Goldenen Vlies und der Fahrt der Argonauten mit dem Goldreichtum in Kolchis in Verbindung gebracht: Der Historiker und Geograph Strabo vermutete, dass der Goldreichtum von Kolchis ein sowohl für Phrixos als auch für die Argonauten plausibles Motiv für eine Expedition zu diesem Ziel gewesen sein könnte. Der Historiker Appian berichtete, dass der feine Goldstaub in den Flüssen des Kaukasus mit Schaffellen aufgefangen wurde und hielt es für möglich, dass es sich bei dem Goldenen Vlies um ein Fell dieser Art handelt.

4.) Wer war Jason? Welche Rolle spielt er in der griechischen Mythologie?

Jason war nach der griechischen Mythologie der Sohn des Aison aus dem Geschlecht des Aiolos. Seine Heimat war Iolkos, wo sein Onkel Pelias entweder die rechtmäßige Herrschaft innehatte oder diese bis zur Volljährigkeit Jasons ausübte. Pelias war von seinem Orakel prophezeit worden, dass er sich vor einem Mann, der nur einen Schuh trägt, hüten solle. Als Jason zu einem Opferschmaus, den Pelias für Poseidon veranstaltete, mit nur einem Schuh erschien und die Herrschaft forderte, erinnerte der König sich an die Prophezeiung. Er sagte Jason die Übergabe der Herrschaft zu – unter der Bedingung, dass er nach Kolchis fahre und das Goldene Vlies hole. Er war sich sicher, dass Jason bei diesem Unternehmen den Tod finden würde.

Jasons Rolle in der Mythologie ist durch den Argonautenmythos geprägt. Als Veranstalter der Expedition und Anführer der Mannschaft hat er eine zentrale Stellung in der Sage inne. In der Antike, als die Argonautensage als historisches Ereignis aufgefasst wurde, galt die Argonautenfahrt als erste Seefahrt überhaupt und Jason damit als der erste Seefahrer. Antike Schriftsteller erwähnen vor diesem Hintergrund nach Jason benannte Örtlichkeiten an den Küsten, die die Argo der Sage nach berührt hatte. Der Geograph Strabo berichtet von zahlreichen „Iasonia" (Heiligtümern), in denen Jason Verehrungen als Heros und Schutzpatron der Seefahrer erwiesen wurden. Über den Tod Jasons existieren spärliche Zeugnisse, die ganz unterschiedliche Versionen ausweisen. In einer Variante wird er durch einen Holzbalken der Argo erschlagen.

5.) Im Spiel „Rise of the Argonauts“ wird Jason von Herkules, Pan, Atalanta und Achilles begleitet. Ist diese Team-Zusammensetzung streng wissenschaftlich gesehen vertretbar?

Die Argonautenfahrt fand eine Generation vor dem Trojanischen Krieg statt. Zu den größten Heroen dieser Zeit gehörte tatsächlich Herakles (Herkules), der aber nach den meisten literarischen Quellen schon auf der Hinfahrt in Mysien zurückblieb, da er dort durch die Suche nach seinem Gefährten Hylas, der von einer Quellnymphe entführt worden war, aufgehalten wurde. Herakles war also bei den meisten Abenteuern der Argonauten nicht anwesend.

Pan gehörte nach keiner Überlieferung zur Gruppe der Argonauten. Er ist in der griechischen Mythologie ein Hirtengott mit halb menschlicher, halb tierischer Gestalt, da er Hörner und Beine eines Ziegenbocks besitzt. Er galt auch als Verursacher grundlosen Aufruhrs und Schreckens (Panik). In dieser Funktion tritt er im Argonautenepos des römischen Epikers Valerius Flaccus einmal als göttliche Gestalt auf, und zwar im Kontext der Schlachtszene gegen die Dolionen, wo er mit seiner Stimme Panik unter den Dolionen hervorruft. Zur Mannschaft der Argonauten zählte Pan jedoch nicht.

Auch Achilleus (Achilles) kann nicht als Teilnehmer der Argonautenfahrt angenommen werden, da er nach der Mythologie zu den großen Helden der nachfolgenden Generation gehörte. Doch wurde Achills Vater Peleus nach Übereinstimmung aller Quellen zu den Argonauten gezählt. Apollonios von Rhodos beschreibt in seinen Argonautika eine Szene, in der Achilleus als Kleinkind zusammen mit seinem Erzieher Chiron die Helden zum Abschied grüßte.

Atalanta, eine amazonenhafte Heldin der griechischen Mythologie, nahm nach manchen Quellen am Argonautenzug teil. Apollonios von Rhodos berichtet, dass Jason nach eigenem Willen auf die Begleitung Atalantes verzichtet hätte, um Konflikten vorzubeugen, die eventuell durch die Anwesenheit einer Frau unter der Schar der männlichen Heroen hervorgerufen werden könnten.

6.) In der Rolle des Jason müssen die Spieler in „Rise of the Argonauts“ zusammen mit ihren Begleitern auch gegen etliche mythische Monster kämpfen – gegen welche genau dürfen wir noch nicht verraten. Vor welcher Kreatur sollten sie sich im Falle einer Begegnung auf jedem Fall am meisten in Acht nehmen?

Das gefährlichste Abenteuer auf dem Weg nach Kolchis war eine Konfrontation mit Naturgewalten, nämlich die Fahrt durch die Symplegaden (bewegliche Felsinseln), die von Zeit zu Zeit immer wieder aneinanderprallten. Die Argonauten mussten ihr Schiff zwischen diesen Felsen hindurchsteuern, möglichst zum richtigen Zeitpunkt und möglichst schnell, um nicht von den aufeinanderprallenden Felsen erfasst und zerquetscht zu werden. Dies wurde noch erschwert durch starken Seegang und große Wellen, die durch die Bewegung der Felsen hervorgerufen wurden. Die Argonauten schickten auf den Rat des Phineus zur Probe eine Taube voraus, deren Schwanzfedern zwischen die zusammenklappenden Felsen gerieten. Genauso knapp entkam die Argo selbst daraufhin den Felsen, wobei sie nur am Heck beschädigt wurde.

Eine weitere gefährliche Begegnung wartete auf der Rückfahrt auf die Argonauten. Sie mussten nämlich wie später auch Odysseus an den Sirenen vorüberfahren, die durch ihren Gesang die Seefahrer betörten und so ins Verderben trieben. Die Argonauten konnten den verführerischen Stimmen der Sirenen nur mit Hilfe des Orpheus entgehen, der fähig war, sie mit seinem eigenen Gesang zu übertönen.

7.) Im Spiel geht es relativ rustikal zur Sache. Deckt sich diese vergleichsweise erwachsene Darstellung im Spiel mit den literarischen Quellen zur Argonauten-Sage?

Während die älteste Heldendichtung der abendländischen Literatur, Homers „Ilias“, zu einem großen Teil aus Kampfbeschreibungen besteht, in denen das Kampfgeschehen oft sehr detailliert geschildert wird, scheint 500 Jahre später der hellenistische Epiker Apollonios von Rhodos bestrebt zu sein, besonders sparsam mit Szenen dieser Art umzugehen. Die wenigen Kampfszenen, die Apollonios in sein Epos einfließen ließ, sind sehr knapp gehalten und entbehren jeder Schilderung des Grässlichen.

Es ist sogar ein Prinzip der Kampfvermeidung bei der Durchführung des Unternehmens zu erkennen: Die Aktivitäten der Helden werden nicht durch ihre Kampftüchtigkeit, sondern durch der Einsatz von List und diplomatischem Geschick motiviert. Schwerpunkte der Handlung liegen dagegen im fantastischen Bereich, in der Ausgestaltung von Märchenmotiven (Aresvögel, Harpyien, Symplegaden) und im Bereich magischer Kräfte. Apollonios von Rhodos räumte auch dem Liebesmotiv eine hohe Priorität in seinem Epos ein. Im Unterschied dazu spielt die Kriegsthematik beim römischen Epiker Valerius Flaccus eine zentralere Rolle, die vor dem Hintergrund römischer Kriegserfolge zur Zeit der flavischen Kaiser erklärbar ist.

8.) Können Sie uns zum Abschluss noch ein eher weniger bekanntes „reales“ Detail über einige der Figuren des Spiels verraten? War der für seine immense Kraft bekannte Herkules in Wirklichkeit vielleicht Vegetarier?


Jason ist im Argonautenepos des Apollonios von Rhodos nicht der überragende Held, der durch heroische Taten und Kampfeinsatz an sein Ziel kommt und das Goldene Vlies gewinnt. Ihn zeichnet eher der Mangel an Mut und Entschlossenheit aus. Seine charakteristische Eigenschaft ist die „Ratlosigkeit“. Bei der Durchführung des Unternehmens ist er auf die Hilfe einer Frau (Medea) angewiesen. Nur durch die Zaubermittel, die sie ihm aus Liebe überreicht, kann er den Kampf gegen die Feuer speienden Stiere und die Erdgeborenen bestehen. Auch beim Raub des Goldenen Vlieses spielt Medea die überragende Rolle, wie sie auch im Gesamtepos eine dem Anführer ebenbürtige Hauptperson ist.

Die immense Kraft des Herakles (Herkules) kam nach den meisten Quellen des Mythos nur zu Beginn der Fahrt zum Einsatz. Bei Apollonios von Rhodos wird ausführlich geschildert, wie Herakles – in Liebe zu dem Knaben Hylas entbrannt – in Mysien zurückblieb, um nach seinem entführten Gefährten zu suchen, statt seine Kraft weiterhin der Mission der Argonauten zur Verfügung zu stellen.
Autor: de User slyer, 01.12.2008 18:25
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